Interessante Links
zur Feuerökologie:

AG Feuerökologie

 

Feuer in den Wäldern Skandinaviens

Feuer sind natürliche Prozesse in diesen Wäldern und sind dort typischer als in Mitteleuropa. Man unterscheidet dabei zwischen leichteren Bodenfeuern und schweren Kronenfeuern.

Kronenfeuer zerstören meist den stehenden Baumbestand. Die dadurch bessere Belichtung des Bodens sowie die eindringende Wärme regen die Bodenlebewesen zu stärkerer Umsetzung des Humus an, was mehr Nährstoffe im Boden anreichert. Mehr Licht und bessere Nährstoffversorgung begünstigen das Wachsen von laubabwerfenden Pionierbaumarten wie Espen, Birken und Weiden. Aber auch krautige Pflanzen wie das intensiv blühende Weidenröschen, profitieren davon, in dem sie den Boden rasch besiedeln. Sie bieten beste Nahrungsbedingungen für Elch und Reh. Aber auch das stehen bleibende Totholz trägt zur Artenvielfalt bei. Zum einen, weil es Totholzbewohnern wie Käfern und Spechten Lebensraum bietet. Zum anderen, weil durch die allmähliche Verrottung Nährstoffe an die Umgebung abgegeben werden, was den Boden düngt. Das wiederum führt zu einer Verbesserung der Wachstumsbedingungen für Pflanzen. Die Pflanzengesellschaften ändern sich jedoch wieder: Die raschwüchsigen Pionierbaumarten werden auf lange Sicht entweder von Fichten oder Kiefern - je nach Standort - verdrängt, die dann für längere Zeit den Waldbestand bilden.

Die leichteren Bodenfeuer wirken je nach dominierender Baumart unterschiedlich. Bei Kiefern wirken sie weniger zerstörerisch, da diese mit ihrer groben Borke und ihren stark verholzten Zapfen viel feuerverträglicher ist als Fichten. Im Gegenteil profitieren Kiefern sogar von solchen Bodenfeuern, weil ihre Samen mangels Konkurrenzvegetation bessere Keimbedingungen auf dem verbrannten Oberboden finden. Außerdem regen die Feuer durch ihre Hitze den Abbau von Humus an, was zu mehr Nährstoffen im Boden führt. Allerdings geht dadurch auch Humus verloren, was auch ein Nachteil sein kann. Fichtenwälder hingegen sind viel schlechter an Bodenfeuer angepasst und werden stark geschädigt und sogar ganz zerstört. Im Gegenzug bieten sie dann wieder gute Ausgangsbedingungen für andere Lebewesen und Lebensgemeinschaften, die auf Freilandwachstumsbedingungen angewiesen sind: die bereits oben beschriebenen Pionierlaubgehölze, Kräuter und Staudenpflanzen, aber auch für viele totholzbewohnende Tiere und Pilze.

Die Häufigkeit von Feuern generell sowie der Anteil schwerer Kronenfeuer ist dabei stark vom Klima abhängig. Je kontinentaler das Klima ist – wie etwa im Innern Sibiriens sowie Nordamerikas - desto häufiger kommen schwere Feuer vor. Unter dem Einfluss von ozeanischem Klima wie z.B. in Skandinavien oder an den Küsten Nordamerikas und Asiens sind sowohl leichte wie auch schwere Feuer seltener. In Skandinavien treten dann andere Störungen stärker in den Vordergrund wie Insektenkalamitäten – z.B. durch den auch bei uns bekannten Borkenkäfer an der Fichte – oder Sturmwürfe.

Hier habe ich nur dargestellt, welche Baumarten sich durchsetzen können. Weiter interessante Zusammenhänge sind, wie sich je nach Feuerregime unterschiedlich strukturierte Wälder bilden.
So können Wälder von Natur aus gleichaltrig bis sehr ungleichaltrig sein, aus dicken und alten oder (eben) nur geringmächtigen Bäumen zusammengesetzt sein, die Baumarten können gleichmäßig im Bestand verteilt sein oder gruppenweise stehen, um nur einige Beispiele unterschiedlicher Waldentwicklungen aufzuzeigen.

Feuer und Brände werden von den meisten Menschen als Unglück und Katastrophe gesehen. Diese Betrachtung gilt insbesondere, wenn Menschenleben gefährdet sind, aber auch Häuser, Städte und Dörfer, sowie Kulturlandschaften. Hierzu zählen auch Forste, also vom Menschen bewirtschaftete Wälder. Dort stellen Waldbrände das wirtschaftliche Ziel, nämlich Nutzholz zu ernten, in Frage und werden insofern als Katastrophe bezeichnet und bekämpft.

In den natürlichen Wäldern des Nordens gehören jedoch Brände zum natürlichen Lebenszyklus von Wäldern. Aus der Sicht vieler Pflanzenarten ist Feuer sogar lebensnotwendig, damit sie sich überhaupt durchsetzen können. So profitieren sowohl die Pionierbaumarten, als auch die Kiefer von gelegentlichen Feuern. Insofern erhöhen Brände nicht nur die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren, sondern auch die Vielfalt des Landschaftsbildes.

Weil in Skandinavien traditionell eine sehr effektive Waldbrandbekämpfung stattfindet, spielt dieser Prozess der durch Feuer initiierten Waldverjüngung (Feuerökologie) kaum noch eine Rolle. In den Weiten Russlands und Sibiriens hingegen sind Waldbrände – mangels effektiver Bekämpfung - noch heute bedeutend.